Elektrische Spannung
Das Bohrsche Atommodell
Materie besteht nach unserer Vorstellung aus Atomen. In Analogie zum
Planetensystem entwickelte Niels Bohr sein Atommodell (ca. 1910):
Ein Atom besteht aus einem Atomkern (positiv geladene Protonen und nicht geladene Neutronen) und einer Atomhülle (negativ geladene Elektronen). Die Elektronen umkreisen den Atomkern auf Bahnen, wobei Fliehkraft FZ (Zentrifugalkraft) und elektrische Anziehungskraft Fel. gleich groß sind.
Modell eines Wasserstoffatoms
Normalerweise ist ein Atom elektrisch neutral, da sich die
Ladungen der positiven Protonen und elektrisch negativen Elektronen nach außen hin ausgleichen. Werden leicht bewegliche Elektronen aber mittels Energiezufuhr entfernt, so bleibt ein positives Atom (= Ion) zurück.
Modell eines Kohlenstoffions
Elektronenmangel => positive Ladungen entstehen
Elektronenüberschuss => negative Ladungen entstehen
Elektrisches Feld
Elektrischen Ladungen werden von einem elektrischen Feld umgeben. Sie üben eine elektrische Kraft Fel. auf geladene Körper Q entlang der Feldlinien aus.

Kraftwirkung im elektrischen Feld
Dabei ist die elektrische Kraft umso größer, je größer die elektrische Feldstärke E und je größer die Ladung Q ist:
Fel. = E · Q
Für diesen Zusammenhang wird eine praktikablere physikalische Größe benötigt:
Elektrische Spannung
Elektrisch geladene Körper "spannen" ein elektrisches Feld auf. Mit diesem elektrischen Feld kann elektrische Arbeit verrichtet werden:
Wel. = F · s

Elektrische Spannung als Maß für das Arbeitsvermögen des el. Feldes
- Obige Graphik veranschaulicht, dass die Spannung der Feldlinien ein Maß für das gespeicherte Arbeitsvermögen des elektrischen Feldes ist. (Je stärker die Feldlinien gespannt werden, umso größer ist wegen der größeren Wegstrecke s das gespeicherte Arbeitsvermögen.)
- Auch die Stärke des elektrischen Feldes E (Dichte der Feldlinien) ist ein Maß für dieses Arbeitsvermögen, denn umso größer wird auch die die elektrische Kraft Fel.
Die Kraft Fel. hängt allerdings dabei allerdings auch von der Ladung Q ab. Je größer Q, umso größer ist Fel. .
Daher wird die elektrische Spannung definiert als das Arbeitsvermögen W des elektrischen Feldes bezogen auf die elektrische Ladung Q:
\( U= \frac{W}{Q} \)
Spannungserzeugung durch Ladungstrennung
| Elektrisch neutrale Körper werden aufgeladen: | Eine sogenannte Spannungsquelle ist entstanden: | In der Spannungsquelle ist elektrische Energie gespeichert: |
|---|---|---|
![]() |
![]() | ![]() |
| Energiezufuhr für die Überführungsarbeit Für die Trennung der Ladungen wird Arbeit verrichtet. Dafür ist die Zufuhr von chemischer, magnetischer oder thermische Energie nötig. | Weiter etwas Energiezufuhr, um die Ladungstrennung zu erhalten. Die Ladungen haben das Bestreben sich auszugleichen. Um dem entgegenzuwirken, muss weiterhin etwas Energie zugeführt werden. | In der Spannungsquelle ist elektrische Energie gespeichert. Die kinetische Energie der Ausgleichsbewegung kann durch Schließen eines Stromkreises genutzt werden, um z.B. in Lichtenergie umgewandelt zu werden. |
Überführungsarbeit zur Ladungstrennung:W = F · s |
Gespeicherte elektrische Energie:W = U · Q |
Arbeitsblatt hierzu:
https://moodle.eick-at.de/pluginfile.php/367/mod_page/content/23/ABElektrischeSpannung-nichtAusgef%C3%BCllt.pdf?time=1601312662931
Chemische Spannungserzeugung (Volta-Prinzip)
Der italienische Physiker Allessandro Volta (1795-1827) hat Spannungsquellen entwickelt, bei denen die Spannungserzeugung auf chemischen Vorgängen beruht:

positiv geladene Zink-Ionen (Zn++).
Dabei werden auf der Zinkplatte negative Elektronen zurückgelassen. Dadurch wird die Zinkplatte zugleich auch positiv geladen. Die Kohleplatte ist zwar leitend, bildet aber im Gegensatz zu einem Metall beim Eintauchen in die Säure keine Ionen. Die Kohleplatte nimmt deshalb die positve Ladung des Elektrolyt an. Da die Zn++-Ionen in der Schwefelsäure in Lösung gehen, wird der Elektrolyt und damit auch die Kohleplatte positiv geladen.
Durch chemische Ladungstrennung entsteht eine elektrische Spannung.
Technische Anwendungen: Batterie, Akkumulator
Chemische Spannungserzeugung (Volta-Prinzip)
Magnetische Spannungserzeugung (Induktionsprinzip)
Das Induktionsprinzip wurde von dem englischen Physiker Michael Faraday (1791-1867) entdeckt:

Magnetische Spannung (Induktionsprinzip)
Der Hufeisenmagnet wird wie im obigen Bild dargestellt mit der angegebenen Richtung bewegt. Der stabförmige Leiter aus Kupfer enthält frei bewegliche Elektronen . Auf sie wird während der Bewegung des Magneten eine Kraft (Lorentzkraft) ausgeübt. Unter
dem Einfluß dieser Kraft bewegen sich die Elektronen in die angegebene Richtung.
Durch Induktion entsteht eine elektrische Spannung.
Technische Anwendungen: Generator, Dynamo, Lichtmaschine
Spannungserzeugung durch Licht
Im Fotoelement entstehen durch Bestrahlen mit Licht in einer dünnen Siliziumplatte (Halbleiter) freie Elektronen, die durch die Sperrschicht im Silizium auf eine Seite der Schicht gedrängt werden.
Technische Anwendung: Solarzelle
Spannungserzeugung durch Wärme
Bei Erwärmung der Kontaktstelle zweier verschiedener
Metalle gehen infolge der Wärmebewegung Elektronen vom besseren Leiter auf den schlechteren Leiter über. Auf dem schlechteren Leiter bildet sich demzufolge ein Elektronenüberschuss, auf dem besseren Leiter ein Elektronenmangel
Es entsteht zwischen
den beiden verschiedenen Leitern eine elektrische Spannung.
Technische Anwendungen: Thermoelemente zur Temperaturmessung
Thermoelektrischer Effekt
Spannungserzeugung durch Kristallverformung
Im Jahre 1880 entdeckten die französischen Physiker Pierre und Jacques Curie, dass mechanischer Druck an der Oberfläche bestimmter Kristalle (z.B. PZT; Blei-Zirkonat-Titanat) elektrische Ladungen erzeugt. Sie nannten dieses Phänomen den Piezoeffekt (griech.
drücken):

Spannungserzeugung durch Kristallverformung (Piezoelektrischer Effekt)
1880 entdeckten die Brüder Pierre und Jacques Curie beim Experimentieren mit Quarz und Rochellesalz, dass durch einen mechanischen Druck auf bestimmte Flächen mancher Kristalle ein elektrisches Feld auftritt. Sie nannten das den piezoelektrischen Effekt
(griechisch. ich drücke). Diese Quarze bestehen aus Ionen zweier chemischer Elemente, die in sechseitigen Strukturen angeordnet sind.
Beim direkten Piezoeffekt verlagert sich durch mechanischen Druck der positive (Q+) und negative Ladungsschwerpunkt (Q–). Dadurch entsteht ein Dipol, eine elektrische Spannung am Element.
Technische Anwendungen: Drucksensor, Tonabnehmer beim Plattenspieler, Kristallmikropho, elektrisches Feuerzeug


